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Portrait zeichnen lernen … und zwar mit echten Leuten von der ganzen Welt

Schon ewig will ich lernen, Menschen zu zeichnen – und zwar so, dass man sie erkennt! Jetzt habe ich ein spannendes Zeichenprojekt begonnen, um dies zu üben. Ich nenne es “People of the World” ,und was ich mache ist Folgendes:

Ich wähle irgendein Land aus. Dann recherchiere ich im Internet, welches die häufigsten oder sehr typische Vor- und Nachnamen sind. Wenn ich eine seriös wirkende Statistik finde, das die häufigsten Namen zeigt, dann nehme ich die Namen von Platz 1. Wenn ich mir nicht sicher bin, nehme ich auch mal den zweiten oder dritten, wenn ich das Gefühl habe, die klingen auch wirklich nach dem Land und sind nicht gerade Michael oder Tom, die es in vielen Ländern geben könnte.

Dann kommt der spannende Teil: ich suche im Internet oder bei Facebook nach Personen, die so heißen, wie die Kombination aus Vor- und Nachnamen, die ich mir ausgesucht habe. Und diese Leute zeichne ich dann.

Das ist total witzig, weil es eben echte Menschen von irgendwo auf der Welt sind und sie eben einen “ganz normalen” Namen ihres Landes tragen.

Bisher habe ich schon Leute aus diesen ganzen Ländern gezeichnet: Schweden, Japan, Kolumbien, Kanada, Südafrika, Niederlande, Frankreich, Thailand, Kuba, Dänemark, Indien, Australien, China, Argentinien, Brasilien, Israel, Polen, Russland, Finnland, Schottland, Italien und Litauen.

Nur bei den Faröer Inseln bin ich gescheitert: ich habe zwar tolle Nachnamen gefunden und dass dort die Nachnamen unterschiedlich enden, je nachdem ob man selbst ein Mann oder eine Frau ist. Z.B. heißen die Töchter von Jógvans mit Nachnamen Jógvansdóttir, seine Söhne dagegen Jógvansson. (Faroese Surnames). Ganz lustig, oder?

Es ist so interessant, was man über die Namen lernt beim Recherchieren oder über die Leute selbst. Der Mann, den ich aus Finnland gezeichnet habe, lebt echt in einer Stadt ganz hoch im Norden von Finnland – sie heißt Oulu. Nur Murmansk in Russland ist noch nördlicher gelegen als Oulu. Man könnte denken, die Leute lebten dort “ab vom Schuss” und etwas langsamer und nicht so Trend-getrieben wie manch einer hier in Zentraleuropa und einer großen Stadt. Nein, Oulu ist bekannt dafür, dass die Leute hier extrem innovativ leben und richtig gemeindeweite Experimente mit innovativen Technologien im Alltag getestet werden. Krass, oder? (Mehr über Oulu, Finnland)

Oh, ich finde dieses Zeichenprojekt so spannend!

So, aber jetzt zeige ich euch natürlich auch die Gesichter zu den Namen, zumindest die ersten (gelungenen *zwinker*) 15 oder so. Springt auf!

Schweden – Erik Olsson

Warum auch immer, meine erste Reise ging nach Schweden, genauer an die Uni von Stockholm, wo ich Erik Olsson fand.

Japan – Misaki Tanaka

Weil unsere Freunde in Tokio leben, wir sie aber zum Glück dieses Wochenende in Wolfenbüttel (!) treffen, kam danach gleich Japan an die Reihe.

Kolumbien – Juan Rodriguez

Ich bin großer Kolumbien-Fan – nicht zuletzt weil wir dort eine wunderbare Hochzeitsreise bei tollen Freunden verbrachten.

Südafrika – Patrick Naidoo

Südafrika kam dann so dazu, ich war noch nie dort und kenne auch niemanden von dort. Aber interessant und irgendwie passend fand ich die Namenskombination aus dem englischen Patrick und dem afrikanisch klingendem Naidoo. Hello!

Niederlande – Sanne de Jong

Hier so ein Beispiel, wo Sanne zwar nicht auf Platz 1 stand, aber der erste Name der Liste war, der so richtig schön niederländisch klang. Diese Sanne de Jong ist übrigens eine recht erfolgreiche Sportlerin.

Frankreich – Gabriel Dubois

Ich hatte mal eine Französischlehrerin namens Dubois.

Thailand – Ploy Bunnag

In Thailand ist das mit den Nachnamen etwas anders als bei uns – sie wurden erst vor relativ kurzer Zeit eingeführt. Daher sind tatsächlich alles Familien mit den Namen. Die Familie Bunnag ist die größte Thailands, daher ist der Nachname der häufigste. Aber alle sind irgendwie noch verwandt!

Kuba – Fidel García

Klaro, für Kuba musste ich jemanden mit dem Namen Fidel suchen! Er hier ist übrigens Künstler laut seinem Facebook-Profil.

Dänemark – Anders Jensen

Meine Tante heißt auch Jensen und wohnt an der Grenze zu Dänemark. Das passt ja!

Indien – Neha Kumari

In Indien, habe ich gelernt, werden die Nachnamen ebenfalls an das Geschlecht der Person angepasst. Aber nur mit einer Endung, nicht mit diesem Sohn-Tochter-Anhängsel wie in den Nordics. Ein Mann würde Kumar heißen, dieses Mädel – eine (beste) Studentin aus Hajipur – heißt Kumari.

Australien – John Smith

Der häufigste männliche Vorname in Australien ist John und der Nachname Smith. Das könnte aber auch für diverse andere englischsprachige Länder gelten. Aber mit ein bisschen Suchen habe ich tatsächlich einen australischen John Smith gefunden – nämlich diesen hier aus Melbourne! Hi mate!

China – Zhang Wei Wang

Besonders spannend finde ich es an meinem Projekt, zu versuchen, ob man tatsächlich die Untschiede in den Gesichtern erkennen kann, je nachdem von welchem Kontinent jemand stammt. An Asiaten wage ich mich daher bisher kaum ran. Aber hier bin ich ganz happy mit dem Bild von Zhang Wei Wang. Man kann schon etwas erkennen, dass er asiatische Züge hat, oder?

Argentinien – Santiago Fernandez

2006 habe ich in Córdoba in Argentinien studiert. Für das Portrait aus Argentinien musste es daher auch jemand aus Córdoba sein.

Brasilien – Ana Da Silva

Komisch, Frauen fallen mir irgendwie viel schwerer als Männer. Ist das, weil ich die Falten nicht zeichnen darf? Bei Männern zeigen Falten den Charakter, bei Frauen machen sie hässlich, oder so? Mein Mann hat eine andere Theorie: wahrscheinlich möchte ich als Frau unbewusst andere Frauen hässlicher machen. Gemeine Unterstellung! *lach*

Israel – David Cohen

Oh ja, David Cohen war ein besonderes Zeichenprojekt. Ich wollte etwas lockerer in der Linienführung werden und habe daher experimentiert, wie weit man gehen kann, wenn man nicht genau die Linien versucht zu zeichnen.

Daher habe ich David fünf Mal gezeichnet – jedes Mal etwas anders, aber doch immer irgendwie erkennbar. Oben rechts das Bild, so wie bisher alle Portraits zeichne: möglichst realistisch. Die anderen Bilder sind die abstrakteren Versuche. Das Bild unten rechts gefällt mir am besten.

Polen – Jakub Nowak

Bei Jakub Nowak habe ich noch ein Experiment gewagt: eine vollkommene Blind-Kontur. Das heißt ich darf überhaupt gar nicht auf das Blatt gucken, während des Zeichnens… tja, das wird dann so…

 

Russland – Alexander Smirnov

Passt ja, dass ein Wodka Smirnov heißt, es ist der häufigste Nachname in Russland. Das sind sicher lustige Familienfeiern!

Finnland – Teemu Korhonen

Hier ist er, der Teemu aus Oulu, von dem ich ganz am Anfang schon geschrieben habe. Übrigens kannte ich sogar mal einen Teemu, aber ich komme einfach nicht mehr drauf, wann und wo.

Schottland – Craig Smith

Oh guckt mal, auch in Schottland steht Smith an erster Stelle der Nachnamen. Dieser Craig Smith hier hat total lustige Bilder in seinem Facebook-Account. Sympathischer Kerl!

Italien – Marco Rossi

Für Italien musste es einfach ein Marco sein. War aber gar nicht so leicht einen zu finden, der wirklich in Italien lebt.

 

Litauen – Greta Kazlauskaite

In Litauen war es witzig: mit der Kombination “Greta+Kazlauskaite” habe ich den absoluten Volltreffer gelandet: es gab unzählige Frauen mit diesem Namen auf Facebook. Und alle waren hübsch! Wirklich! Oder alle Frauen in Litauen sind voll hübsch, das kann natürlich auch sein.

Hm, nur leider kann ich immer noch nicht so schöne Frauen zeichnen… *lach*

Ein sehr empfehlenswertes Projekt, um Menschen in Portrait zeichnen zu üben.

Liebste Greetz

Silja

2 Comments

  • Tabea

    Irre! Ich bin einfach maßlos beeindruckt – sowohl von deiner Idee als auch von der Umsetzung. Bei mir werden Portraits selten so gut, dass man da jemanden drauf erkennen kann.

    Liebe Grüße

    • Silja

      Wow, danke dir! Ja, das war echt spannend! Aber langsam komme ich zu den Ländern, bei denen es nicht mehr so einfach ist die populärsten Namen zu recherchieren… Aber ich mache weiter. 😉 LG Silja