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Außer meinen Einkaufszetteln und einigen Notizen schreibe ich kaum mehr etwas per Hand (ok, ausgenommen Karten zur Hochzeit oder so schreiben, aber das kommt ja nur ein paar Mal pro Jahr vor). Will sagen, ich schreibe fast nie etwas, das jemand anderes zu lesen bekommt. Offizielle Briefe werden mit dem Computer verfasst, E-Mails sowieso, statt Postkarten schicke ich Whatsapp-Nachrichten. Warum auch, elektronisch ist es schneller und mit verschiedenen Schriftarten kann man es sogar schöner als von Hand. In der Folge ist meine Handschrift .. naja… sagen wir mal „verkümmert“ und es milde auszudrücken.

Gerade deshalb gefällt mir Hand Lettering so gut. Den Trend habe ich eigentlich erst letztes Jahr entdeckt, als ich begann das “Flow Magazin” regelmäßig zu lesen und hier und dort Illustrationen mit von Hand geschriebener Schrift entdeckte. (Übrigens ein ganz wunderbares, wirklich gut und liebevoll gemachtes Magazin, aber dazu später noch mehr.)
Tatsächlich ist Hand Lettering – zumindest im Internet, auf Instagram usw. – ein ziemlich großes (und tolles) Thema, dass mich immer mehr neugierig machte.

Dann gab es in der vorletzten Ausgabe der “Flow” (Nr. 7, 2015) ein kleines Booklet-Tutorial von Deborah van der Schaaf und somit keine Ausrede mehr, es nicht zu versuchen. Heute möchte ich euch zeigen, wie ich das Booklet ausgestaltet habe, so dass ihr sehen könnt, mit welchen Übungen man sich an das Thema Hand Lettering ganz einfach in wenigen Stunden selbst beibringen kann. Und dann zeige ich euch noch meine ersten zwei Karten, die ich selbst gestaltet habe. Es ist wirklich nicht schwer! Und man braucht nichts weiter als einen schwarzen Stift und wenn man üben möchte und vorzeichnen noch Bleistift und Radiergummi. That’s it! Und jetzt schaut mal, was man daraus machen kann!

Hier das Hand Lettering Booklet:

cover-mit-stiften

 

Los geht es mit einfachen Übungen zu einzelnen Buchstaben (hier immer wieder „A“s in allen möglichen Formen und Ausführugen).

 

uebungsserie-1

 

Total wichtig ist es beim Handlettering eine gewissen (aber eben auch nicht perfekte) Gleichmäßigkeit bei den Buchstaben hin zu bekommen. Einfachste Maßnahme: versuche die Buchstaben in der Gesamthöhe und in der ich nenne es mal „mittleren Buchstabenhöhe“ (also die Oberkante eines kleinen „n“s) gleich zu zeichnen. Hierfür bieten sich auch mit dem Bleistift eingezeichnete drei Hilfslinien (unten, Mitte, oben) an.

Dann kamen einige Übungen zu Formen der Hülle und zum Ausfüllen der Hülle (z.B. mit Dreiecken, mit Blumen, mit Federn oder Zöpfen!).

Wenn man ein Zitat gestaltet, sollte man sich zunächst überlegen, welche Wörter besonders wichtig sind (unterstreichen) und dann eine Darstellung dieser Wörter üben (siehe „Flowers“ und „Rain“), so dass man die Schriftart ein bisschen an die Bedeutung der Wörter anpassen kann.
Dann skizziert man das Zitat mit Bleistift und testet, wie groß welches Wort sein soll, wie viele und welche Wörter in eine Zeile sollen, etc. Von der Skizze fertigt man dann eine schönere Bleistiftskizze an und dann malt man diese schön fein säuberlich mit dem schwarzen Fineliner nach. Fertig! (Hier das Beispiel von „Raise your words not your voice, it is rain that grows flowers, not thunder“.)

 

Uebungsserie-2

 

Den letzten coolen Schliff bekommt das Ganze dann durch das Dekorieren der Wörter oder des gesamten Gebildes mit Blumen und Blättern, kleinen Tieren (z.B. Schmetterlinge, Vögel), Pfeilen (ganz wichtig und hipstermäßig modern), Herzen usw. So kann man das Zitat einerseits inhaltlich mit Bildern anreichern, die das Zitat zusätzlich verdeutlichen und andererseits das Ganze ein bisschen „schließen“, weil man auch kleine „Löcher“ schließen kann, die einem nicht gefallen.

 

Uebungsserie-3

 

Tja, das war’s eigentlich schon mit meiner Kurzbeschreibung. Es ist echt leichter, als es vielleicht auf den ersten Blick aussehen mag. Versucht es doch auch. Und vor allem, ich finde, eine in dieser Form persönlich gestaltete Karte ist tausendmal schicker als jede gekaufte. Vor allem, weil derjenige, der die Karte bekommt, ja sehen kann, dass man sich Mühe gegeben hat und Zeit genommen hat.
Ich habe danach diese beiden Karten gestaltet. Eine zu einer Hochzeit …

 

Hochzeitskarte

 

… und diese Karte für meine Nichte zur Konfirmation gezeichnet. Ich find sie voll schick!

 

Enjoy-the-little-things

Übrigens, Dreiecke und Rauten zeichnen ist mega schwierig per Hand – und ohne Lineal, wie ich es meist mache. Wie gesagt, wenn schon per Hand gezeichnet, dann soll man das ruhig sehen können. Aber diese Dreiecke waren echt schwieriger, als ich erwartet hatte.
Ich wollte die Karte schon fast wegwerfen, als die Linien nach unten hin so bescheuert krumm und schief wurden. Aber ich habe dann einfach angefangen, daraus ein Schachbrettmuster zu machen. Nicht ganz konsistent, weil manchmal hab ich dann auch die Dreiecke verdreht (nicht unbedingt absichtlich, sondern weil ich nicht aufgepasst habe *grins*), aber irgendwie wurde das dadurch nur noch spezieller. Am Ende habe ich sogar größere Formen aus einigen Dreiecken gemacht und finde, das ist echt witzig geworden. Also, mein Tipp: wenn Rauten oder Dreiecke, dann entweder ein Lineal verwenden oder sich bewusst auf diesen „schiefen Look“ einstellen und den dann durchziehen.
Ach ja, und Hand Lettering ist natürlich auch ein super Backup, wenn man mal keine Karte im Hause hat, und morgen ein Anlass ansteht.  Naja, zumindest wenn man so wie ich nicht immer rechtzeitig eine Karte besorgt hat *grins*.

Ein letzter netter Nebeneffekt sollte noch erwähnt werden. Hand Lettering ist irgendwie mega entspannend. Ich glaube, weil man mal ein bisschen kreativ drauflos malt (sich Figuren oder Symbole zu den Wörtern ausdenkt) und dann auch wieder ganz ruhig und konzentriert zeichnet (spätestens beim finalen Ausmalen).
Wenn du neugierig aufs Hand Lettering geworden bist und mehr erfahren möchtest, hier noch einige weiterführende Links und Lesetipps:

Das toll gemachte und es einem wirklich einfach machende Übungsheft, das ich beschrieben habe, wurde von Deborah von der Schaaf gestaltet und lag einer der letzten “Flow” Ausgaben bei. Die Ausgaben kann man hier bestellen (Nr. 7).
Bei Amazon gibt es auch viele tolle Bücher. Diese zwei habe ich auf meinem Wunschzettel. Sobald ich eines davon oder beide habe und etwas daraus gemacht haben werde, werde ich hier mehr berichten.
Creative Lettering and Beyond von Walter Foster Creative Team und das Little Book of Lettering von Emily Gregory. (Ich bin übrigens kein Amazon Affiliate, das sind echt einfach nur Bücher, die ich persönlich auf meinem Wunschzettel habe.)

Ein weiteres großartiges Angebot hat creativelive. Hier gibt es einen Online Kurs von Annica Lydenberg mit dem Titel „Hand Lettering 101“. Kostet 29 USD (also ca. 26 EUR). Während der Erstaustrahlung der Kurse oder bei Wiederholungen – also immer wenn die Kurse „live on air“ sind – kann man sie kostenlos im Stream ansehen. Ich habe letzte Woche bei dem „Hand Lettering 101“ kurz reingeschaut und es sah echt gut aus.

Außerdem habe ich den Kurs „Custom Lettering“ mit Brandon Rike gesehen. Hier gab es auch einige Übungen zu Schriften, die ganz hilfreich für das Hand Lettering sind.

Bei Pinterest gibt es einige Pinnwände, denen man folgen kann. Ich folge z.B. Hand Lettering Tips with Elsie oder auch „A Basic Guide to Hand Lettering by Dawn Nicole“, die witzigerweise die gleichen Bücher toll findet wie ich. Hier könnt ihr meinem Creatipster Profil bei Pinterest folgen, dann auf das Thema „Handschrift“ gehen und ihr seht gaaanz viele. Oder ihr sucht einfach nach „Hand Lettering“.

Ich hoffe, es hat euch Spaß gemacht. Und wie gesagt, der Trick ist klein anzufangen, einfach mal so. Ich habe das gesamte Flow-Booklet an zwei oder drei Abenden gemacht und bin jetzt imstande, Karten so wie oben zu gestalten.

Habt ihr Tipps, wo man schöne Ideen für Hand Lettering Projekte findet oder für gute Bücher oder Kurse? Dann schreibt mir doch!

Ich bin gespannt!

Liebe Grüße
Silja